Politisch paralysiert

Frankfurter Hauptbahnhof, 29. Juli 2019 – Ein 40 Jahre alter Eritreer schubst eine Frau und ihren achtjährigen Sohn vor einen ICE-Zug. Die Frau kann sich retten, der Junge stirbt. Im rechten Lager löst diese abscheuliche Tat Empörung aus – mehr aber auch nicht. Passive Empörung über solcherlei Ereignisse bestimmen das Landschaftsbild der Rechten in Deutschland.

Wahrscheinlich wird sich die Empörungswelle über den Zugschubser von Frankfurt bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg in einem besseren Ergebnis für die AfD niederschlagen. Doch im Allgemeinen scheint sich das rechte Lager in Deutschland, wenn überhaupt, dann nur noch zähflüssig weiterzuentwickeln.

Eine Bewegung, die nun schon seit 4 Jahren fast ausschließlich bei Einwanderungskritik stehen bleibt und aus selbiger ihr gesamtes politisches Potential schöpft, braucht sich über einen solchen Zustand auch nicht zu wundern. Gerade mit Bezug auf die Klima-Debatte verschläft es das rechte Lager in Deutschland fast vollständig, die Jugend auf ihre Seite zu ziehen. Hingegen können sich die Grünen dahingehend weitaus attraktiver darstellen, als z.B. eine AfD, weil sie der Jugend eine Vision, ein Ziel geben: die Rettung des Weltklimas.   

Zwar mag die AfD noch einiges an Wachstumspotential haben, jedoch ist eine Regierungsübernahme wohl auch bei den nächsten Bundestagswahlen 2021 eher unwahrscheinlich. Die innerparteilichen Zerwürfnisse sprechen Bände.  Zudem bleibt auch zu fragen, ob eine AfD-Regierung denn das wirkliche Ziel eines rechtsnationalen Umschwunges wäre?

Es gab in der Vergangenheit schon so manche Partei, die wundersame Wandlungen vollzogen hat. So z.B. die Christliche Demokratische Union von einer konservativ-bürgerlichen Partei hin zur links-anarchistischen Einwanderungsfront. Oder die Wandlung der Grünen von der religionskritischen Friedenspartei zur islamfreundlichen Kriegspartei.

Auch die AfD wird, wenn sie als Regierungspartei unter politisch-gesellschaftlichen Druck gestellt und durch den Fleischwolf der Realpolitik gedreht würde, höchstwahrscheinlich Kompromisse eingehen, die ihr Antlitz bis zur Unkenntlichkeit entstellen könnte. Deshalb muss das rechte Lager seine Wirkmacht nicht im Parlament, sondern im metapolitischen Raum, als gelebte außerparlamentarische Gegenkultur entfalten.

Solch eine Gegenkultur braucht aber Fundamentaleres als das Geschwätz und Gejammer der Nachkriegs-Babyboomer-Generation, die sich ihre BRD der 70er-Jahre zurückwünschen. Sie braucht den Acker, auf dem die Saat eines neuen, idealrechten Deutschlands gedeihen kann. Sie braucht die Jugend. 

Diese Jugend wird von der Boomer-Rechten auf Youtube aber eher abgeschreckt als angezogen. Das liegt nicht einmal so sehr an den ohnehin schon mageren politischen Inhalten, die sich größtenteils auf Merkel-Einwanderungs-Einzelfall-Empörung beschränken, sondern an der Unerträglichkeit ihres Stils.

Dabei sollten nationale Ehre und Selbstbestimmung in einer Generation, in der ein Künstler wie Felix Blume, alias Kollegah, die Männlichkeit für junge Deutsche wiederentdeckt hat, eigentlich mit Begeisterung von selbigen aufgenommen werden. Dies geschieht aber nicht. Einerseits, weil das Gift des hedonistischen Liberalismus sich immer noch im deutschen Volk befindet. Andererseits, weil die politische Rechte in Deutschland keine neuen Impulse setzt und nicht als Trendsetter auftritt, sondern das Setzen von Impulsen und Trends – bis auf wenige Ausnahmen – lieber anderen überlässt: dem Staat, den politischen Gegnern, den Muslimen oder relativ unpolitischen Künstlern und Subkulturen. Man reagiert immer nur und agiert nicht.

Aufgrund dieser Passivität und des Unvermögens des rechten Lagers, die volle Kraft der Jugend in einer Massenbewegung zu kanalisieren, scheint sich das mahnende Wort des Youtubers Nikolai Alexander zu bewahrheiten:

“Was, wenn die große Revolution, der Moment, auf den wir alle warten, wenn das Volk aufsteht und der Sturm losbricht, was, wenn dieser Moment gar nicht vor, sondern bereits hinter uns liegt? Was, wenn der Aufmarsch von PEGIDA Ende 2014  und Anfang 2015 mit seinen 30.000 Demonstranten, was, wenn das die maximale Kraftanstrengung ist, zu der unser sterbendes Volk noch fähig war? Was, wenn sich so etwas nie mehr wiederholen, ja, nie mehr überbieten lassen wird? Was dann?

 

NA Screen
Nikolai Alexander – Das Scheitern der patriotischen Bewegung” auf Bitchute

Die Devise lautet also, den für Deutschland gewünschten Zustand dort, wo man gerade steht, selbst vorzuleben – ausharren als Teil einer goldenen Zukunft mitten in einer trostlosen Gegenwart.


 

 

 

 

 

 

 

 

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