Es mangelt an Philosophie

Unser Lager krankt zur Zeit an Stagnation. Es werden wunde Punkte an Stellen gezeigt, wo wir keine zeigen sollten. Der Feind weiß uns stets aus der Reserve zu locken, zu unüberlegtem Handeln zu bewegen und daraus einen Strick für die außerparlamentarische Opposition zu drehen. 

Der Co-Chef der Identitären Bewegung Österreich, Martin Sellner, wurde vom Compact-Magazin befragt, wie er denn zu den Erfolgen in Thüringen steht: Er sah dies als Motivationsschub, die eigenen Reihen außerhalb der Parlamente weiter auszubauen und ebenso schlagkräftig zu werden. Die Linken gewannen die gesellschaftliche Hoheit nicht nur parlamentarisch, sondern auch in den metapolitischen Vorräumen wie der Straße und den Institutionen durch ihre Fungis. (1)

Die Aussagen Sellners sollten nun für all jene kritischen Augen aus unseren Reihen keine Neuigkeit sein. Die AfD landete in Thüringen einen waschechten Coup, während viele außerhalb der Parlamente nach wie vor von der Meinung überzeugt scheinen, daß die Probleme unseres Landes – nach wie vor – rein politischer Natur seien. Dies ist ein Trugschluß sondergleichen: denn gerade die Dekadenz unseres Volkes ist es, die zu den heutigen Problemen unter anderem auf der politischen Ebene geführt hat.

Unsere Vorfahren kannten einst noch die Devise, dafür zu arbeiten, daß es den zukünftigen Generationen einmal besser ergehe als ihnen selber. Genau daraus wurde: Nach mir die Sintflut. Letztere ist durchzogen vom Gedanken des Liberalen und einer Kurzsichtigkeit, welche verabscheuenswert ist. So ist es heute der Boomer, welcher vergaß, dieses Land vor allem Übel zu hüten und zu schützen. Stattdessen formt er es so, daß es seinem schlechten Gewissen nicht schadet. Diese Entscheidungen, wozu man die Grenzöffnung von 2015 zählen kann, sind allesamt kurzsichtig getroffen und die langfristigen Schäden versucht man unter den Teppich zu kehren.

Auf lange Sicht kann es den jungen Generationen wie den Millennials und den Zoomern nicht entgehen, daß ihre Mütter und Väter dazu tendieren, ihr Gewissen über die Zukunft ihrer eigenen Kinder und Kindeskinder zu stellen. Die Folgen sehen wir heute in Form eines szeneübergreifenden Generationenkonfliktes. Im rechten politischen Spektrum flammt dieser schon seit einiger Zeit, da Boomer zu wirklicher Widerstandsarbeit unfähig scheinen. Und sollten sich doch mal Gute unter ihnen befinden, werden diese als »Top-Leute höheren Alters« klassifiziert.

Im linken Spektrum hingegen brach der Generationenkonflikt erst wieder mit dem Aufkommen von Fridays for Future aus. Daraus entwickelten sich dann auch radikale Ableger wie Extinction Rebellion (dt.: Rebellion gegen das Aussterben), welche in Großstädten bereits den Verkehr durch Straßenblockaden zum Erliegen brachten. Diese erklärten sich ebenfalls den Boomer (alte, weiße Männer) zum Feind.

Philosophie ist gefragt

Der WDR veröffentlichte zum Beginn des neuen Jahres ein Satirevideo, welches ein altes Scherzlied, »Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad«, modernisieren sollte. Dies brachte entsprechende Boomer-Warlords zur Weißglut, welche daraufhin ihre Wut in einem Shitstorm (#Umweltsau) auf Twitter auslebten.

Die eigentlich viel bessere Antwort zu diesem Ereignis wäre ein Schweigen gewesen, denn letzten Endes spielten die Verteidiger ihrer Großeltern gleich zwei Kaspern des GEZ zwangsfinanzierten Rundfunks in die Hände: Jan Böhmermann und Danny Hollek, einem Redakteur beim WDR. Während ersterer eher uninteressant war, legte letzterer richtig los und zückte die Nazikeule. Worin dies endete sollte klar sein: Die Situation eskalierte und er erfreute sich an der ihm gewidmeten Aufmerksamkeit auf Twitter. 

Es ist an sich schon rückgratlos gewesen, sich provozieren zu lassen. Aber dann noch diesem WDR-Schreibtisch-Clown – möglicherweise sogar erhoffte – Korrespondenz zu liefern, demonstrierte keinen Hauch von Haltung. 

Genau daran mangelt es vielen, welche sich selbst als Patrioten definieren. Es mangelt schlichtweg an Haltung, die einer praktischen Lebensphilosophie entstammt. Eine solche Philosophie ist der Stoizismus. Stoiker finden das wahre Glück in der Überwindung der eigenen niederen Triebe, der Kontrolle über sich und seinen Geist sowie des Loslassens der Dinge, die außerhalb der eigenen Macht stehen. 

Diese Philosophie steht den konsumorientierten Werten des 21. Jahrhunderts diametral gegenüber und vermag es, den Praktizierenden ein unglaubliches Maß an innerer Ruhe und seelischer Unerschütterlichkeit (euthymia) zu verleihen. Des weiteren erlaubt sie einem zu entscheiden, wie man auf ein einzelnes Ereignis reagiert. Somit könnten dann auch Zwischenfälle wie #Umweltsau zukünftig keine Energie mehr ziehen, sondern man nimmt einfach den Fakt hin, daß Schreibtischtäter gerne mal zu Provokationen gewillt scheinen.

Die Energie, welche sonst in das unbewußt gestartete reaktionäre Verhalten münden würde, steht einem dann für wirklich kreative Arbeit und Aktionismus zur Verfügung. 



Quellen:

  1. Sellner-Interview von Compact

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