Rezension: Was tun?

Es wird praktisch. David Engels liefert umsetzbare Antworten. Dies jedoch nicht für jedermann, sondern für die ‘’kollektiven Erben von großartigen und seltenen Gütern’’, wie Sir Roger Scruton all jenes nannte, für das es sich zu leben und zu sterben lohnt. Lassen wir uns also von Herrn Engels herausführen vom Studienzimmer der grauen Theorie hin zum goldenen Baum gelebter europäischer Werte! 

Die Leser zum Handeln zu bewegen war eine der Absichten, die unseren Blog schon immer mitbestimmten. Von Konzepten einer wahrhaftigen Persönlichkeitsentwicklung, über den Aufruf zur Gründung von Großfamilien, hin zu Durchhaltestrategien angesichts täglicher schwarzer Pillen. Gewissermaßen liefert uns David Engels damit ein ‘’Buch zum Blog’’. Was tun? ist aber weit mehr als das.

Handbuch für abendländische Werte

Mit seinem in 27 Kapitel gegliederten Aufbau erinnert das Werk an Götz Kubitscheks Provokation – und ist dabei inhaltlich ähnlich anti-utopistisch. Von der Ernährung über die rechte Beziehung zum eigenen Körper, von der Wiederherstellung eines christlichen Glaubens ‘’jenseits eines universalen theistischen Moralismus’’ zu Bildung und Erziehung der eigenen Kinder, vom Selbstanbau und Kauf regionaler Gemüse- und Obstsorten hin zur Frage nach richtiger Lektüre und Arbeitsmoral. Engels lässt keinen wichtigen Lebensbereich aus. 

Jedes Kapitel stellt ein Problem, jedes Kapitel bietet einen Lösungsansatz. Grenzen zwischen Theorie und Praxis werden auf erfrischende Art und Weise eingerissen und gleichzeitig Möglichkeiten aufgezeigt, wie die ewigen Werte des Guten, Wahren und Schönen in unsere moderne Alltäglichkeit integrierbar sind. Bewusstmachung der untragbaren politischen und gesellschaftlichen Probleme auf der einen, ein von Idealismus und der Frage nach der Umsetzbarkeit geprägter Wille zur Tat auf der anderen Seite – hier geht beides Hand in Hand.

Das Abendland ist ein Lebensgefühl

Beipackzettel für schwarze und weiße Pillen

‘’Wir rufen dazu auf, lange angebetete und todgeweihte Idole wie den Staat, die repräsentative Demokratie, die Großstadt, das moderne Schulsystem, die angebliche Notwendigkeit zum andauernden Abbüßen der geschichtlichen Schuld der Europäer oder die Idealisierung all dessen, was ‘’anders’’ ist, loszulassen und vielmehr eine ausschließlich vom Persönlichen ausgehende Haltung einzunehmen.’’

Aus solchen Zeilen lässt sich die seltsam pessimistisch-optimistische Grundstimmung dieser Kampfschrift gegen den Niedergang herauslesen. Abgesang auf die von Auswüchsen der Degeneration zerfressenen postmodern-liberalen und, in den Augen des Autors, bereits hoffnungslos verlorenen westlichen Welt, bei gleichzeitigem Entwurf eines Bauplans für ein neues, altes Europa im Klein des ganz persönlichen Lebens.

Ein Solidarischer Patriotismus mag ein ehrenwertes Konzept sein. Nach der Lektüre der Engel’schen Abrechnung mit dem gegenwärtigen Europa drängt sich jedoch die Frage auf, ob ein solcher überhaupt noch machbar wäre, oder ob man nicht besser den Zusammenbruch des gesellschaftlichen und politischen Ist-Zustandes abwarten sollte. Währenddessen wäre es notwendig ‘’aus unseren Familien und Freundeskreisen Parallelgesellschaften’’ zu machen, wie es Muslime und andere Einwanderergruppen bereits jetzt tun. Auf dem Nährboden solcher alternativer, organischer Strukturen könnte mittel- und langfristig Europa wiederauferstehen.

Europa wird beim Obsthändler verteidigt

‘’Erwerben wir daher, wo immer es möglich ist, lokale Produkte, welche von Personen hergestellt wurden, die wir selber kennen oder wenigstens einfach zu identifizieren wissen.’’

Auch solche ganz profanen Ratschläge vermisst man, wie bereits erwähnt, beim Lesen des Buches nicht. Sie sind, so hat man das Gefühl, Ausdruck des guten Willens des Autors, den Leser Stück für Stück zu echter, im Alltag gelebter Nachhaltigkeit zu erziehen, anstatt ihn mit dem zu hoch gesteckten Ziel einer gesellschaftlichen Utopie zu überfordern.

Dieses kleine und alltägliche, welches nie die Vision einer besseren, würdigeren Zukunft unseres Kontinents aus dem Gedächtnis verliert, ist es, das Was tun? so einzigartig macht. Was die europäische Frage in der Sphäre der großen Politik angeht, so plädiert David Engels – für seine Kenner wenig überraschend – für die Idee des sogenannten Hesperialismus. Dabei handelt es sich um einen von ihm (mit)geprägten Begriff, der einen abendländischen Konservatismus und europäischen Föderalismus unter unbedingter Wahrung der nationalen Eigenheiten, Traditionen und Kulturen der einzelnen Nationen beschreibt. Wer sich an dieser Stelle an de Gaulle erinnert fühlt, liegt wohl nicht falsch.

Das Abendland ist ein heiliger Auftrag

Abendländische Arbeitsmoral

Übrigens wird nicht nur das was, sondern auch das wie behandelt: 

‘’Alles, was wir tun, sollten wir mit unserer ganzen Person ausführen und dabei nicht an das künftige Resultat unseres Tuns denken, sondern nur daran, daß unsere Handlung gut und schön getan sei, damit wir stolz auf sie sein können – ein Stolz, der eben nicht auf der Bedeutung oder Schwierigkeit dessen beruht, was wir vollbracht haben, sondern auf der Art und Weise, wie wir eins mit unserer Arbeit geworden sind. Gilt es, den Gehweg zu kehren, sollten wir dies mit dem vollen Einsatz dessen tun, der ein Stück der Welt verschönert; müssen wir den Tag damit verbringen, eine Datenbank zu vervollständigen, sollten wir dies mit Vergnügen dessen vollbringen, der sich an präziser Arbeit erfreut; sind wir damit beauftragt, politische Plakate auszuhängen, sollten wir dies in dem Bewußtsein machen, unsere Ideale in die Tat umzusetzen; regnet es, während wir den Gemüsegarten bestellen, sollten wir dies trotzdem mit der Leidenschaft dessen fortsetzen, der das Privileg hat, in unmittelbaren Kontakt mit dem Leben und der Natur an sich zu treten – alles, ohne an die Folgen unseres Handelns zu denken oder daran, wie interessant doch eine andere Betätigung sein könnte.’’ 

Wieder: Das Wahre, Gute und Schöne erwächst aus dem Alltäglichen und Unscheinbaren.

Auferstehung des Abendlandes

Zugegeben: eine Rezension in der zeitgeistlichen Form eines Blogbeitrags, der sich ‘’fast ganz auf Auszüge und Zusammenfassungen beschränkt’’, mag dem auf Langfristigkeit ausgerichteten Wesenskern eines solchen Werkes widersprechen. Jedoch kann man dem Buch durchaus eine Breitenwirkung weit über die ins Auge gefasste Zielgruppe hinaus zutrauen. Nicht aufgrund seiner schönen und visionären Sprache oder irgendwelchen bahnbrechenden neuen Erkenntnissen, die man darin finden würde, sondern zuvörderst wegen seines praxis- und lebensnahen Inhalts.

‘’Was tun?’’ von David Engels ist nicht irgendein weiteres unverbindliches politisches Pamphlet, sondern ein kompromisslos idealistischer Handlungsaufruf an jeden Einzelnen. Dringende Leseempfehlung!  


“Was tun?“ auf der Seite des Renovamen-Verlages bestellen

Internetpräsenz des Renovatio-Instituts

Ein Kommentar zu „Rezension: Was tun?

  1. „Erwerben wir daher, wo immer es möglich ist, lokale Produkte, welche von Personen hergestellt wurden, die wir selber kennen oder wenigstens einfach zu identifizieren wissen.’’

    Na ja, da fängt doch für uns Deutsche das Problem schon an…lokale Produkte hab ich im Garten, hat aber auch nicht jeder zur Verfügung und“ regional“ ist ja inzwischen relativ, schon allein deswegen das deutsche Produkte lieber im Ausland vertickt werden und Obst und Gemüse EU übergreifend durch Europa gekarrt und als Regional/Deutsch umgekennzeichnet wird…da hab ich schon Schoten gehört da wird einem Schwummrig( ungarischer Paprika in unlabled Kartons nach Holland- als „Holländisches Produkt“ neu verpackt – retour nach Ungarn und dort als Holland-Paprika in den Handel gebracht). Da jetzt raus zu bekommen was von wo kommt ist schier aussichtslos.

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.

WordPress.com.

Nach oben ↑

Erstelle deine Website mit WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das: