Philosophie des Kampfes

Das grundlegende Credo für das Leid vergangener Generationen lautete: heute zu leiden, damit es zukünftigen Generationen mal besser ergehe. Der Plan ging auf, denn heutzutage scheinen die Dinge so leicht, wie noch nie zuvor. Aber wußten sie, was dem Menschen blüht, wenn er es zu leicht hat?

Ein Mensch kann enorme Kräfte freisetzen, wenn er sich Ziele setzt und diese akribisch verfolgt. Die größte Angst des Menschen ist stets die vor dem eigenen Tod. Überwindet er diese, so scheint sich ein Schalter umzulegen: Er ist bereit, bis an sein Ende zu gehen. Seine Taten werden denen eines von den Göttern gesegneten Helden gleichen. Ein Typus Mensch, der für die Plebs nicht faßbar ist, da sie sich solcher Erfahrungen stets selber verwehren, aber dennoch zu gerne gewillt sind, zu sehen, wie die Geschichte enden wird.

Unsere Generationen wuchsen und wachsen noch im Wohlstand auf und haben den harten und unerbittlichen Kampf gegen äußere Feinde, Pandemien und die Natur nie kennengelernt. Äußere Feinde haben wir hier mitten in Europa nicht mehr. Covid-19 kann man lediglich als eine Pandemie-Simulation definieren, weil sie in keinster Weise mit der Pest oder der Spanischen Grippe vergleichbar ist. Wenn ein Volk noch feucht-fröhlich Mund-Nasen-Schutzmasken als Mode-Accessoire bewerben und sich über die Legitimität der Schutzmaßnahmen lebhaft streiten kann, so sind wir von einer echten Pandemie noch weit entfernt.

Sind es also keine unmittelbar äußeren Bedrohungen mehr, die den Menschen gefährden, so hat dieser beinahe ausschließlich nur noch mit einem Feind zu tun: sich selbst. Es ist das klassische »Wir gegen uns selbst«: gegen die Lust, die uns stets verleitet, zum Übermaß des Guten. Je besser es den Menschen geht, desto passiver werden sie. Und je passiver sie sind, desto mehr schwindet auch ihr Mut und damit die Handlungsbereitschaft. Die je eigenen Wünsche bleiben auf der visuellen Ebene im Kopf, in den man sich dann zurückzieht, wenn die Außenwelt mal wieder als schlecht empfunden wird. Dabei verdrängen sie den Fakt, daß sie sterbliche Wesen sind und ihr Tod mit hoher Wahrscheinlichkeit ein bedeutungsloser sein wird. Von Erzählungen am Sterbebett wird gemunkelt, es sei die gruseligste Art, in den Tod zu gehen.

Kampf als Weltgesetz

Als Wanderer in der Natur betrachtet man gerade im Frühjahr eine schöne Blütenpracht. Ein schöner und angenehmer Duft wird von den Winden durch die Luft getragen, um Bienen und andere Nektar schlürfende Insekten anzulocken. In dieser Ästhetik jedoch liegt ein Geheimnis verborgen – zumeist von der Oberfläche aus nicht sichtbar. Unter der Erde findet ein unerbittlicher Kampf um das Wasser und die Nährstoffe des Bodens statt. Aber auch im Wald in den Höhen ist besagter Kampf sichtbar.

Ein Baum im Walde kämpft stets um den besten Platz an der Sonne und steht dabei in Konkurrenz zu seinen unmittelbaren Nachbarn. Denn obwohl Bäume nicht im geringsten wie Tiere oder Menschen sind, so ist ihnen das Element des Kampfes innewohnend und formt sie in ihrem Sein. Ein Baum im Wald wächst nicht in die Breite, sondern in die Höhe, um den besten Platz an der Sonne zu ergattern. Diesem Kampf ist der einsame Baum am Feldrand nicht ausgesetzt. Er ringt zumeist mit den Winden, welche in stürmischen Zeiten mehr seine Stabilität als seine Höhe prüft. 

Dieser Kampf prägt alle Pflanzen und wird ihre Gene weiter veredeln. Ähnliches finden wir im Tierreich, wo es stets des stärkeren Artgenossen Privileg ist, sich fortzupflanzen. Jene, die zu schwach sind, werden ausgesondert. Komplexer ist es beim Menschen, da er in der Lage ist, sich seiner Situation bewußt zu werden und an sich zu arbeiten. Früher zwang noch die Natur den Menschen, stärker und besser zu werden. Heute muß er selber den Impuls finden und seinem Leben einen Sinn stiften. Verweigert er sich dem, wird er den Kampf gegen sich selber verlieren und aus der Balance zwischen der Tugend und dem Sinnlichen fallen. 

Genau dies brachte stets die gewaltigsten Hochkulturen zu Fall. Sie ruhten sich auf dem, was ihre Vorfahren schufen, aus und verloren den wichtigen Kontakt zu den göttlichen Elementen ihrer Kultur. Damit ist jedes Ende besiegelt. 

Inmitten und ringsum der Ruinen der einstigen Hochkultur wird bereits der Grundstein für eine neue gesetzt, die sich ein Jahrtausend später erheben wird. So erhoben sich tausend Jahre nach der Antike Deutschland, Frankreich und Großbritannien zu den drei neuen Großmächten aus dem Leichnam des Römischen Reiches. Auch diese werden in einigen Jahrhunderten ihrem Vorgänger ähneln.

Schon jetzt wird fleißig mit dem Zerfleischen des alternden Körpers begonnen. Jeder versucht, die besten Plätze an den Zitzen des Systems zu bekommen, um möglichst viel für sich abgreifen zu können. Die Interessengruppen formieren sich mit je unterschiedlichen Zielen, aber den gleichen Ambitionen: Sie wollen an die Macht und herrschen. Wo wollen wir eines Tages stehen?

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