Zusammenkunft der Reconquista

Über ganze sieben Jahre der Videoproduktion war es dem YouTuber Nikolai Alexander alias Reconquista Germania gelungen, ein Mysterium um sich aufzubauen. Seine Videos wurden zu seinen Bestzeiten von 33 000 Abonnenten verfolgt. Dann kam es zu einer nie dagewesenen Mobilmachung auf der  Onlineplattform Discord.

Jedoch wäre es falsch zu behaupten, daß Nikolai mit dieser Art von Aktivismus anfing, denn bereits Monate zuvor baute Martin Sellner mit ein paar IB-Aktivisten eine solche Troll-Armee auf. Diese sollte nicht lange Bestand haben, weil die Aktivisten diese Instanz zu Rekrutierungszwecken benutzten und generell gegenüber dem Internetaktivismus hinter Pseudonymen nicht viel übrig zu haben schienen.

Einige Monate nach den ersten Erfahrungen der Troll-Armee Sellners, sollte dann der neue Server Reconquista Germanica (ja, aus Germania wurde Germanica) entstehen, der bereits zuvor von Nikolai und seinen engeren Vertrauten geplant und konfiguriert wurde. Am 01. September 2017 wurde dann die Ankündigung in Videoform veröffentlicht und gut 10 % seiner Zuschauer, welche nicht an »Trojanophobie« oder an einem zu hohen Grade der Degeneration litten, traten dem Server bei. Das primäre Ziel: Einflußnahme auf den Bundestagswahlkampf zugunsten der AfD.

Die geballte Schlagkraft

Es gab ein Ziel und alle wußten, was sie zu leisten hatten: Konten bei Twitter, YouTube und Facebook aufbauen, mit welchen sie dann entweder die AfD in ein positives Licht zu rücken hatten und die Altparteien durch den Kuhfladen zu ziehen. Dies war der Punkt, wo auch die Meme-Kultur in Deutschland einen Durchbruch erlangte. 

In diesen drei Wochen war der Zusammenhalt innerhalb RGs am stärksten, obwohl es diverse ideologische Unterschiede gab. Doch in Anbetracht des angestrebten Ziels priorisierte jeder das individuelle Bedürfnis nach Streit nach unten. Von Neurechten bis Altrechten zogen alle an einem Strang. Laut Nikolai befanden sich auch Libertäre in unseren Reihen. Das gesamte rechte Spektrum war vertreten.

Inwieweit die Einflußnahme seitens RG auf den Bundestagswahlkampf nun wirklich erfolgreich war, ließ sich nur schwer nachweisen. Gewiß gab es viele Aktivisten, die sich ein weit höheres Ergebnis, als 12,6 %, erhofft hatten. Für sie schienen die Mühen der letzten Wochen vergebens, was sich auch letztlich auf den Zusammenhalt und das soziale Gefüge in RG auswirkte.

Die dunklen Monate

Als der September verstrich, machte sich die Ungeduld vieler degenerierter Elemente und die fehlende Definition einer Marschrichtung in den eigenen Reihen bemerkbar. Dies sollte zu vielen Verwarnungen bis hin zur Bannung einiger Elemente führen, denen es an Selbstkontrolle mangelte. 

Es ließ sich das beobachten, was uns im rechten Lager im allgemeinen fehlte: die persönliche Arbeit eines jeden an sich selbst und seinen individuellen Macken. 

Einige gaben sich die Mühe, den Geist der anfänglichen Wochen der Euphorie und des Fleißes wiederherzustellen. Diese Bemühungen stellten sich jedoch als Vergebens heraus und viele Konflikte bis hin in die oberste Ebene der Führung machten sich bemerkbar. Es gab sogar Doxxing-Angriffe (Ermittlung des Klarnamens und der Adresse) auf Mitglieder der Führungsebene, was natürlich zur Eskalation diverser Streitigkeiten führte.

Dies sollte sich dann irgendwann im sogenannten »Großen Boomer-Purge« entladen, der auch eine neue Marschrichtung der Bewegung etablieren sollte. Eine neue Stabilität wurde auch zunächst gewonnen, was aber gleichermaßen die Zielstrebigkeit und Produktivität zu keiner Zeit signifikant erhöhen konnte.

Die Lehren

Wie zur Anfangszeit vernommen werden konnte, war das erste kurzfristige Ziel, für alle ersichtlich, von hoher Priorität, so, daß sogar Libertäre mit dem Rechten Lager zusammenarbeiteten. Sind die Ziele langfristiger Natur, verlieren die meisten sie aus den Augen und die Truppe spaltet sich in Untergruppierungen auf, die sich dann auch untereinander bekämpfen oder an der Auflösung der Bewegung arbeiten.

Was es im Rechten Lager braucht, ist mehr Beharrlichkeit: Wenn eine Sache nicht auf Anhieb funktioniert, wird sofort die Flinte ins Korn geschmissen. Wer mit einer solchen Mentalität arbeitet, bringt keine Bewegung wirklich vorwärts, die sich momentan auf der Verliererposition befindet. Es mangelt auch an Zielen und Visionen. Das ist erstmal nicht verkehrt. Was verkehrt ist: Viele Menschen weigern sich strikt, diese Tatsache zu akzeptieren und arbeiten krampfhaft. Sollte es dann auf Biegen und Brechen auch nicht gehen, verlieren sie die Beherrschung und neigen zur Raserei vor Wut. 

Dies ließ sich bei RG, zu den Zeiten nach der Bundestagswahl, mehrmals gut beobachten. Jedoch konnten viele dieser Individuen eines noch schlechter vertragen: Kritik an ihrer Person. Ein weiterer Punkt, den man als Lehre für sich entnehmen kann. 

Diese heute immer noch anhaltende dunkle Phase der Orientierungslosigkeit, bietet ungemein viele Chancen zum Wachstum. Von den wenigsten wird es so anerkannt.

Die Erfolge

Trotz aller Kritik, gab es aber auch Erfolge zu verzeichnen. Schon recht früh machten Linke bereits darauf aufmerksam, daß sich eine rechte Troll-Armee im Internet von noch nie dagewesener Größe gebildet hat. Ihnen soll es angeblich gelungen sein, die AfD mittels Social Engineering in den Bundestag einzuschleusen.

Der Ärger bei den Altparteien, insbesondere der Grünen, Linken und Co., war entsprechend hoch. Ihr Erzfeind, die Rechten, haben eine Partei in den Bundestag wählen können. Die Suche nach einem geeigneten pharmakós ließ nicht lange auf sich warten und irgendwann lüftete man die ersten Geheimnisse um die geheimnisvolle rechte Untergrund-Armee.

Dies inspirierte den ZDF-Moderator Jan Böhmermann, RG eine ganze Sendung zu widmen. Im selben Atemzug wurden im Hintergrund sämtliche Maßnahmen der öffentlich-rechtlichen eingeleitet, Nikolai Alexander für immer aus den sozialen Medien zu verbannen. Auch versuchte Böhmermann eine Gegen-Armee, Reconquista Internet, aufzubauen, um gegen RG zu agitieren. Es entluden sich mehrere, gegeneinander gerichtete Shitstorms auf Twitter, welche jedoch von RI (ca. 50 000 Mann stark) gegen RG (ca. 10 000 Mann stark) verloren wurden.

Da Linke natürlich für die Fähigkeit bekannt sind, Niederlagen ertragen zu können, folgten die Melde- und Löschwellen, welche jedoch zwecklos waren. Es gab immer drei bis vier redundante Instanzen auf Discord sowie mehrere Gruppen bei Threema. Ja manche feierten sich sogar auf Twitter selbst, RG gemeldet zu haben, was ein Indiz für ihre charakterliche Größe ist. 

Bei Böhmermann blieb es allerdings nicht, denn während der Gründungszeit RGs fanden wohl auch die Dreharbeiten zu Rayk Anders’ Doku über rechte Internet-Trolle statt. Das Resultat war eigentlich kein wirkliches, da andere Gruppen, wie die Skeptiker (Die Vulgäre Analyse, Dorian der Übermensch, Idiotenwatch) damals einfach mit RG in einen Topf geworfen wurden. Man beschäftigte sich nicht mit der Thematik, sondern stellte einfach Behauptungen und entsprechende Strohmann-Argumente als Belege auf.

Ein Kommentar zu „Zusammenkunft der Reconquista

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